Was ist eine bewusste Stichprobenziehung durch einen Wirtschaftsprüfer?

Eine bewusste Auswahl liegt vor, wenn die Auswahl der in die Stichprobe einzubeziehenden Elemente einer Grundgesamtheit vom Prüfer subjektiv aufgrund seines Sachverstandes getätigt und diese Entscheidung eigenverantwortlich, selbständig und nach pflichtgemäßem Ermessen getroffen wird. Dabei lässt sich die Auswahlwahrscheinlichkeit für die einzelnen Elemente der Grundgesamtheit nicht angeben, ein Repräsentationsschluss („hochrechnen“) ist nicht möglich (Bewusste Stichprobenauswahl)

Davon zu unterscheiden ist die sogenannte Auswahl aufs Geratewohl, bei der ohne vorherige Überlegungen eine Anzahl von Elementen aus einem Prüffeld herausgegriffen wird. Nachteil bei einer solchen wirklich sehr zufälligen Auswahl ist, dass der Abschlussprüfer für die Grundgesamtheit keine repräsentative Auswahl erhält, noch dass die für das Prüfgebiet wesentlichen Elemente in die Stichprobe einbezogen werden.

Die Auswertung der für diese Elemente erlangten Prüfungsnachweise ermöglicht es dem Abschlussprüfer, seine ursprüngliche Risikoeinschätzung zu aktualisieren bzw. zu bestätigen, um hieraus in Kombination mit den durch die bewusste Auswahl erlangten bzw. sonstigen weitergehenden Prüfungsnachweisen Schlussfolgerungen für das Prüfgebiet bzw. die Grundgesamtheit insgesamt abzuleiten
(vgl. IDW PS 300 n.F., Tz. A51)

Wann eignet sich insbesondere eine bewusste Stichprobenauswahl?

Die bewusste Auswahl ist besonders geeignet für Prüfungshandlungen, die das Fraud-Risiko eingrenzen wollen. Sie erlaubt uns, Elemente auszuwählen, die aufgrund ihrer Eigenschaften eher anfällig für absichtliche Fehler sind.
Für alle Arten von Fehlerrisiken gilt, dass eine bewusste Auswahl sich insbesondere dann anbietet, wenn wir aufgrund unseres Verständnisses des konkreten Fehlerrisikos auf Aussageebene (Assertion Level) anhand qualitativer Kriterien gut in der Lage sind, fehleranfälligere Elemente der Grundgesamtheit zu identifizieren bzw. gezielt bewusst auszuwählen.

Was sind die Kriterien bei einer bewussten Auswahl?

Die für den Abschlussprüfer relevanten Kriterien können bspw. die folgenden sein:

  • Typ der Geschäftsvorfälle
  • absolute und qualitative Bedeutung der Elemente in dem Prüfungsgebiet
  • Risikoeinschätzung für das Prüfgebiet

Bei dem Einbeziehen von typischen Geschäftsvorfällen für das Prüfungsgebiet konzentriert sich der Prüfer auf solche Fälle, die sich über die Monate ähneln und idealerweise auf Basis der IKS Prüfung ausgewählt wurden.

Dabei werden nur diejenigen Geschäftsvorfälle einbezogen, denen der Prüfer eine besondere Bedeutung für sein Prüfungsurteil beimisst. Besondere Bedeutung meint in diesem Fall, dass die ausgewählten Elemente sein Urteil in besonderem Maße beeinflussen können, zum Beispiel vom Betrag her deutlich über der Wesentlichkeit liegende Posten.

Was sind die Grundlagen, auf Basis derer sich der Abschlussprüfer seine Stichprobe zieht?

Informationen gewinnt der Abschlussprüfer bei der Analyse der Geschäftstätigkeit sowie des rechtlichen und wirtschaftlichen Umfelds des Unternehmens, der Aufbauprüfung sowie der Funktionsprüfung des internen Kontrollsystems und einem ersten Ergebnis der analytischen Prüfung.

Dabei geht er davon aus, dass das Fehlerrisiko in der von ihm ausgewählten Stichprobe größer ist als das in den nicht geprüften Elementen der Grundgesamtheit. Insbesondere Erkenntnisse aus früheren Prüfungen fliessen in seine Beurteilung mit ein.

Was sind Kriterien für die Auswahl der Stichprobe?

Beispiele für ein Auswahlkriterien sind:

  • Funktionen (Warenverkehr)
  • Höhe des Geschäftsvorfalls (zehn größten)
  • Abteilungen (Lagerbuchhaltung)
  • Aufträge (Langfristfertigung)
  • Kunden oder Lieferanten (hohe Salden)
  • verbundene Unternehmen und nahe stehende Personen
  • Zeiträume (Jahresabgrenzung im Dezember)

Was sind die Nachteile bei einer bewussten Auswahl?

Die Ergebnisse von Prüfungshandlungen für bewusst ausgewählte Elemente können nicht auf die gesamte Grundgesamtheit hochgerechnet werden. Folglich liefert die selektive Untersuchung bestimmter Elemente auch keine Prüfungsnachweise für die restliche Grundgesamtheit
(vgl. ISA 500.A55; IDW PS 300 n.F., Tz. A51).

Wer sind Ihre Wirtschaftsprüfer für Abschlussprüfungen bei accura audit?

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